
Eine bessere Orientierung in der Neuen Musik nicht denkbar - Unverzichtbar für Neue-Musik-Hörer, absolut unverzichtbar. Natürlich kommt auch die Klassische Moderne nicht zu kurz, die Zweite Wiener Schule wird mit ihren Hauptprotagonisten ebenso gewürdigt wie Herr Hindemith und viele andere. Aber wer jetzt nicht gerade Beiträge auf KDG-Niveau erwartet, der wird in den kurzen (aber nicht zu kurzen) Essays - die auch unterschiedlich lang ausfallen je nach Bedeutung der Tonsetzer aus Sicht des Autors - sehr viel Wesentliches finden. Das Tolle daran: Es wird selten so richtig musikwissenschaftlich (insofern für Laien-Hörer hervorragend lesbar), Notenbeispiele fehlen (wären hier auch deplatziert), aber zu flach wird es in keiner Zeile - immer geht es um das Gesamtwerk, die Tonsprache, die musikhistorische Einordnung (wobei sich viele Vertreter gar nicht einordnen lassen, denn Rihm ist beispielsweise nun wirklich kein Neo-Traditionalist, nie gewesen). Am Schluss der fünf bis zehn Seiten pro Künstler dann eine Werkliste mit dem Entstehungsjahr (natürlich unvollständig). Meckern kann man natürlich immer, so auch hier: Warum wurde Harrison Birtwistle unterschlagen? Aber der Auswahl kann ich letztendlich zu 90 Prozent zustimmen. Gerade derjenige, der sich in der Neuen Musik orientieren will, braucht dieses Buch.